Vorlesung:

Die Vorlesung Allgemeine Relativitätstheorie mit dem Computer wurde im Sommersemester 2016 das erste Mal gehalten und viele der auf dieser Hauptseite erreichbaren Internetseiten basieren grundsätzlich auf dem damals erstellten Kurs. Das Wahlpflichtmodul richtet sich an Studierende im Bachelor- und Masterstudiengang Physik an der Goethe-Universität Frankfurt. Durch die regelmäßige und erfolgreiche Teilnahme an den Übungen qualifizieren Sie sich für die Abschlussprüfung (Klausur oder mündliche Prüfung). Nach erfolgreichem Bestehen erhalten Sie einen benoteten Schein sowie 5 Credit Points (CP).

In dieser Vorlesung widmen wir uns den mathematisch anspruchsvollen Gleichungen der Allgemeinen Relativitätstheorie (ART) und zeigen, wie man diese mit Python (Jupyter Notebooks) und C/C++ effizient lösen, simulieren und visualisieren kann. Zunächst wird es eine kleine Einführung in die Relativitätstheorie geben und Sie erlernen den Umgang mit Computeralgebra-Systemen wie den interaktiven, webbasierten Python Jupyter Notebooks. Diese Open-Source-Umgebung erleichtert die oft komplizierten und zeitaufwendigen Berechnungen tensorieller Gleichungen erheblich. Sie implementieren Anwendungen der Einstein- und Geodätengleichung, führen analytische Berechnungen durch und visualisieren die Ergebnisse. Anschließend steigen wir in die numerische Berechnung von Neutronensternen mittels C/C++ ein. Hierbei werden auch die Grundkonzepte der parallelen Programmierung behandelt, indem wir eine MPI- und OpenMP-Version des Programms entwickeln. Danach wird es einen kurzen Exkurs in die Kosmologie und die Evolution des gesamten Universums geben. Zum Abschluss der Vorlesung behandeln wir hochrelevante Phänomene der modernen Astrophysik, die oft aufwendige zeitabhängige numerische Simulationen der ART erfordern (z.B. mittels des Einstein Toolkit). Mögliche Themenbereiche sind hierbei: Oszillationen von Neutronensternen, der Kollaps eines Neutronensterns zu einem Schwarzen Loch, die Kollision zweier Neutronensterne unter Berücksichtigung der Aussendung von Gravitationswellen.

Allgemeine Relativitätstheorie mit dem Computer
(General Theory of Relativity on the Computer)
Vorlesung WS 2026/27

Diese Internetseite fasst die Online-Angebote der Vorlesung Allgemeine Relativitätstheorie mit dem Computer zusammen. Die Vorlesung findet donnerstags von 15.00-17.00 Uhr im PC-Pool 01.120 statt. Es gibt zwei Übungsgruppen: eine vor (13.30-15.00 Uhr) und eine nach der Vorlesung (17:00-18:30 Uhr, Beginn der Übungen am 22.10.2026 im PC-Pool 01.120). Bitte schreiben Sie sich auf der Online-Lernplattform OLAT ein, da organisatorische Informationen hierüber versendet werden.

Der Schwerpunkt der gesamten Vorlesung liegt gleichermaßen auf der Allgemeinen Relativitätstheorie und der Vermittlung spezialisierter Programmierkenntnisse. Es gibt für diesen Kurs keine offiziellen Voraussetzungen oder Zulassungsbeschränkungen, jedoch sind erste Erfahrungen mit Programmiersprachen und der Relativitätstheorie im Studienverlauf von Vorteil. Sollten Sie im Bereich der Programmierung noch keine Vorkenntnisse besitzen, empfehle ich Ihnen die Vorlesung Einführung in die Programmierung für Studierende der Physik zur optimalen Vorbereitung und zum Selbststudium. Sollten Sie im Bereich der Allgemeinen Relativitätstheorie noch keine Vorkenntnisse besitzen, empfehle ich Ihnen die folgenden Literaturangaben.

Literatur zur Allgemeine Relativitätstheorie

  • Allgemeine Relativitätstheorie von Torsten Fließbach
  • Spezielle und allgemeine Relativitätstheorie für Bachelorstudenten von Reinhard Meinel
  • Allgemeine Relativitätstheorie Schritt für Schritt von Michael Ruhrländer
  • Einführung in die Relativitätstheorie von Ray D'Inverno
  • General relativity : An introduction for physicists von M. P. Hobson, G. P. Efstathiou und A. N. Lasenby
  • Gravity : An introduction to Einstein's general relativity von James B. Hartle
  • Gravitation von Charles W. Misner, Kip S. Thorne und John Archibald Wheeler
  • Relativistic hydrodynamics von Luciano Rezzolla und Olindo Zanotti
  • 100 Years of general Relativity - Vol.1: Numerical Relativity von Masaru Shibata

Vorlesung 1

In dieser ersten Vorlesung werden wir zunächst die Grundlagen der Spezielle und Allgemeine Relativitätstheorie kurz wiederholen (siehe Unterpunkt Einsteins Relativitätstheorie). Danach werden wir uns mit der Programmiersprache Python befassen (siehe Unterpunkt Python Jupyter Notebooks und das Rechnen mit symbolischen Ausdrücken). Am Ende wird es dann noch einen kurzen Überblick über die Themenbereiche der gesamten Vorlesung geben.

Einsteins Relativitätstheorie

Albert Einsteins Relativitätstheorie hat unser Verständnis von Raum und Zeit revolutioniert. Sie teilt sich in zwei Bereiche: Die Spezielle Relativitätstheorie (SRT) untersucht Raum und Zeit bei konstanter, gleichförmiger Bewegung. Die Allgemeine Relativitätstheorie (ART) geht weiter und beschreibt die Gravitation nicht als Fernwirkung, sondern als geometrische Eigenschaft - die Krümmung der Raumzeit. In diesem Unterpunkt werden die grundlegenden Konzepte der Relativitätstheorie sowie die in dieser Vorlesung verwendete mathematische Beschreibung vorgestellt.
Die Geometrisierung der Gravitation lässt sich mittels des Konzepts der Eichtheorien noch tiefer deuten: So wie in der Quantenfeldtheorie Kräfte durch die lokale Eichung einer inneren Symmetrie entstehen, so erzwingt das Prinzip der allgemeinen Kovarianz (die Invarianz unter lokalen Koordinatentransformationen) ein neues Eichfeld. Die makroskopische Gravitation ist damit das Resultat der Raumzeitkrümmung zur Wahrung der universellen Symmetrie. Damit erhält Einsteins Zitat ''Peace cannot be kept by force; it can only be achieved by understanding.'' eine tiefere Bedeutung. Ein friedliches, harmonisches soziales Gefüge basiert nicht auf Kräften, die Symmetrie erzwingen wollen, sondern auf dem tiefen Verständnis der verbindenden Strukturen und zugrundeliegenden Symmetrien. Details dazu finden Sie unter folgendem Link: Einsteins Relativitätstheorie

Python Jupyter Notebooks und das Rechnen mit symbolischen Ausdrücken

Computeralgebra-Systeme erleichtern die Berechnungen der tensoriellen Gleichungen der allgemeinen Relativitätstheorie. Ein Computeralgebra-System ist ein Computerprogramm, das der Bearbeitung algebraischer Ausdrücke dient. Es löst nicht nur mathematische Aufgaben mit festen Zahlenwerten, sondern auch solche mit symbolischen Ausdrücken. In diesem Unterkapitel wird die Programmiersprache Python, in Verbindung mit der Python-Bibliothek SymPy benutzt, um symbolische Berechnungen durchzuführen (z.B. Matrix-Berechnungen, Differentiation, Integration, analytisches Lösen von Differenzialgleichungen). In diesem Sinne agiert das Jupyter Notebook als ein Computeralgebra-System und es löst nicht nur mathematische Aufgaben mit festen Zahlenwerten, sondern auch solche mit symbolischen mathematischen Ausdrücken (Gleichungen von Variablen, Funktionen, Polynomen und Matrizen). Es löst nicht nur mathematische Aufgaben mit festen Zahlenwerten, sondern auch solche mit symbolischen Ausdrücken (Gleichungen von Variablen, Funktionen, Polynomen und Matrizen) und ist dadurch im Erscheinungsbild den kommerziellen Software-Produkten Mathematica oder Maple sehr ähnlich. Beim Klicken auf das nebenstehende Bild gelangt man zu dem Jupyter Notebook Das Computeralgebra-System: Python Jupyter + SymPy ('Jupyter_sympy.ipynb' , View Notebook, Download Notebook).

Weiterführende Links

Vorlesung 1

A. Einstein stellte im Jahre 1915 seine revolutionäre allgemeine Relativitätstheorie der wissenschaftlichen Öffentlichkeit vor. Seine Feldgleichungen leitete er mittels eines allgemeinen Kovarianzprinzips her und in Einstein, A. 1915, Preuss. Akad.Wiss. Berlin, Sitzungsber., 778-786 schrieb er über seine Theorie "Dem Zauber der Theorie wird sich kaum jemand entziehen können, der sie wirklich erfasst hat;...". Die Schönheit der Einstein Gleichung liegt neben ihrem zugrunde liegenden Kovarianzprinzip in der Einfachheit ihrer fundamentalen Aussage. Nach Einstein verbiegt jede Energieansammlung die Struktur der Raumzeit und diese gekrümmte Raumzeit ist der ursächliche Grund der Gravitation. Nach Einstein fällt der Apfel vom Baum zu Boden, da der große Energiegehalt der Erde die raumzeitliche Struktur so stark verbiegt, dass der Apfel sich in dieser gekrümmten Raumzeit nach geodätischen Gesetzen zu Boden bewegen muss.

In der ersten Vorlesung werden die Grundlagen der allgemeinen Relativitätstheorie und im Besonderen die Einsteingleichung (hier ohne kosmologischen Term) \[ R_{\mu\nu} - \frac{1}{2} g_{\mu\nu} R ~=~ -8 \pi \, T_{\mu\nu} \] und die Geodatengleichung \[ \frac{d^2 x^\mu}{d\tau^2} + \Gamma^\mu_{\nu \rho} \frac{d x^\nu}{d\tau} \frac{d x^\rho}{d\tau} ~=~ 0 \] wiederholt (siehe Unterpunkt Einsteins Relativitätstheorie im linken Panel). Die griechischen, raumzeitlichen Indices $ \mu, \nu, \rho ... $ laufen von 0..3, wobei, falls nicht anders angegeben, diese den folgenden kartesischen Raumzeitkoordinaten entsprechen: $ x^\mu = \left( x^0, x^1, x^2, x^3 \right) = \left( t, x, y, z \right)$. Bei gegebenem Energie-Impuls $T_{\mu\nu}$ beschreibt die linke Seite der Einsteingleichung in welcher Weise sich die Raumzeit verbiegt, wobei $g_{\mu\nu}$ die Metrik der Raumzeit beschreibt und $R_{\mu \nu}$ der Ricci-Tensor, $R$ der Ricci Skalar und $G_{\mu\nu} := R_{\mu\nu} - \frac{1}{2} g_{\mu\nu}$ der Einstein-Tensor ist. Die einzelnen Größen lassen sich aus dem Riemannschen Krümmungstensor $R^{\mu}{}\!_{\nu \rho \sigma}$ berechnen, der sich wie folgt, aus den Christoffel-Symbolen $\Gamma^\mu_{\nu \rho}$ zusammensetzt: \[ \begin{eqnarray} & R^{\mu}{}\!_{\nu \rho \sigma} = \frac{\partial \Gamma^{\mu}_{\nu \sigma}}{\partial x^{\rho}} - \frac{\partial \Gamma^{\mu}_{\nu \rho}}{\partial x^{\sigma}} + \Gamma^{\alpha}_{\nu \sigma}\Gamma^{\mu}_{\rho \alpha} - \Gamma^{\alpha}_{\nu \rho}\Gamma^{\mu}_{\sigma \alpha} & \\ & \Gamma^{\sigma}_{\mu \nu} = \frac{1}{2}g^{\sigma \alpha} \left( g_{\nu \alpha| \mu} + g_{\mu \alpha| \nu} - g_{\mu \nu| \alpha} \right) & \\ & g_{\mu\nu| \alpha} := \partial_\alpha g_{\mu\nu} = \frac{\partial }{\partial x^\alpha}g_{\mu\nu} & \\ & R_{\mu \nu} = R^{\sigma}{}\!_{\mu \sigma \nu} \,\, , \quad R = R^{\mu}{}_{\!\mu} = g^{\mu \nu}R_{\nu \mu} & \end{eqnarray} \]

Eine Berechnung der grundlegenden Größen der allgemeinen Relativitätstheorie (z.B. Christoffel Symbole oder Ricci-Tensor) bei vorgegebener Metrik $g_{\mu\nu}$ ist oft zeitaufwendig und rechenintensiv. Computeralgebra-Systeme erleichtern solche tensoriellen Berechnungen und in diesem Kurs werden wir die Programmiersprache Python, in Verbindung mit unterschiedlichen Python-Bibliotheken verwenden, um symbolische Berechnungen durchzuführen. In der Vorlesung Einführung in die Programmierung für Studierende der Physik finden Sie in der Vorlesung 3 Eine kleine Einführung in die Programmiersprache Python und in dem nebenstehenden Python Jupyter Notebook wird die Programmiersprache Python, in Verbindung mit der Python-Bibliothek SymPy benutzt, um algebraische Ausdrücke zu analysieren.
Am Ende dieser 1. Vorlesung wird es einen kurzen Überblick der Inhalte der gesamten Vorlesung geben.

Vorlesung 2

In dieser Vorlesung werden wir sehen, wie man die grundlegenden Größen der allgemeinen Relativitätstheorie mit der Programmiersprache Python berechnen kann. Um die berechneten analytischen Resultate adäquat ausgeben zu können verwenden wir Python in Verbindung mit Jupyter Notebooks.

Allgemeine Relativitätstheorie mit Python

Mittlerweile gibt es in Python mehrere leistungsstarke Bibliotheken/Module, die Berechnungen der Allgemeine Relativitätstheorie durchführen können. In vergangenen Vorlesungen verwendeten wir das Python-Modul Gravipy und EinsteinPy. Beide Module basieren auf dem Modul SymPy welches symbolische Berechnungen mit Python vereinfacht. In der aktuellen Vorlesung werden wir zusätzlich zu EinsteinPy das Python-Modul OGRePy: An Object-Oriented General Relativity Package for Python verwenden, welches ebenfalls auf der Bibliothek SymPy basiert.
In diesem Unterpunkt werden zwei Jupyter Notebooks besprochen, welche die grundlegenden Größen der allgemeinen Relativitätstheorie (z.B. die Christoffel Symbole, Ricci- und Einstein-Tensor) am Beispiel einer allgemeinen statischen und isotropen Raumzeit in Python berechnen. Die Notebooks unterscheiden sich dabei in der Einbindung des verwendeten Python-Moduls (EinsteinPy bzw. OGRePy).

Beim Klicken auf das linke obere Bild gelangt man zu dem Jupyter Notebook Allgemeinen Relativitätstheorie mit Python und EinsteinPy ('EinsteinPy.ipynb' , View Notebook, Download Notebook) und beim Klicken auf das rechte obere Bild gelangt man zu dem Jupyter Notebook Allgemeinen Relativitätstheorie mit Python und OGRePy ('OGRePy.ipynb' , View Notebook, Download Notebook).

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Vorlesung 2

Eine Berechnung der grundlegenden Größen der allgemeinen Relativitätstheorie bei vorgegebener Metrik der Raumzeit ist oft zeitaufwendig und rechenintensiv. Nehmen wir z.B. die Metrik $g_{\mu\nu}$ einer allgemeinen statischen, isotropen Raumzeit, wobei wir nun ein sphärisches Koordinatensystem $x^\mu = \left( x^0, x^1, x^2, x^3 \right) = \left( t, r, \theta, \phi \right)$ verwenden: \[ g_{\mu\nu}=\left( \begin{array}{ccc} A(r) & 0 & 0 & 0\\ 0& -B(r)& 0&0 \\ 0& 0& -r^2& 0\\ 0& 0& 0& -r^2 \hbox{sin}^2(\theta)\\ \end{array} \right) \] Um Größen wie z.B. den Riemannschen Krümmungstensor $R^{\mu}{}\!_{\nu \rho \sigma}$ oder den Ricci Tensor $R_{\mu \nu}$ ausrechnen zu können, benötigt man zunächst die Christoffel Symbole $\Gamma^{\sigma}_{\mu \nu}$. Im Folgenden berechnen wir ''per Hand'' eine der 64 Komponenten der Christoffel Symbole, nämlich die $\Gamma^{0}_{0 1}=\Gamma^{t}_{t r}$-Komponente: \[ \begin{eqnarray} \Gamma^{\sigma}_{\mu \nu} &=& \frac{1}{2}g^{\sigma \alpha} \left( g_{\nu \alpha| \mu} + g_{\mu \alpha| \nu} - g_{\mu \nu| \alpha} \right) \underbrace{\rightarrow}_{(\sigma, \mu, \nu)=(t, t, r))} \\ \Gamma^{t}_{t r} &=& \frac{1}{2}g^{t \alpha} \left( g_{r \alpha| t} + g_{t \alpha| r} - \underbrace{g_{t r| \alpha} }_{=0} \right) = \\ &=& \underbrace{\frac{1}{2}g^{t r} g_{r r| t}}_{=0} + \frac{1}{2} \underbrace{g^{t t}}_{=\frac{1}{A(r)}} g_{t t| r} = \frac{1}{2 \, A(r)} \partial_r A(r) = \\ &=& \frac{ \frac{d A(r)}{dr}}{2 \, A(r)} \end{eqnarray} \] Anhand dieses Beispiels kann man erkennen, dass Berechnungen in der allgemeinen Relativitätstheorie schnell aufwendig werden können. Im Unterpunkt Allgemeine Relativitätstheorie mit Python dieser Vorlesung (siehe linkes Panel) werden wir diese und viele weitere Berechnungen mittels des Computers durchführen.

Vorlesung 3

Die Schwarzschild-Metrik beschreibt das raumzeitliche Verhalten eines kugelsymmetrischen, nicht rotierenden und nicht geladenen schwarzen Loches der Masse M, wobei die gesamte Masse des schwarzen Loches in einem singulären Punkt im Zentrum vereint ist. In dieser Vorlesung werden wir in einem Jupyter Notebook die wesentlichen Eigenschaften der Schwarzschild-Metrik mittels eingebetteter Diagramme und anhand von Raumzeit-Diagrammen visualisieren.

Eigenschaften der Schwarzschild-Metrik

Die Struktur der Raumzeit der Schwarzschild-Metrik kann man auf unterschiedliche Weisen visualisieren. Wir betrachten uns zunächst die sogenannten eingebetteten Diagramme der räumlichen Hypersphäre $\Sigma_t$ der Mannigfaltigkeit ${\cal M}$. Diese eingebetteten Diagramme besitzen eine Trichter-Form und zeigen eine Koordinatensingularität bei dem sogenannten Schwarzschild-Radius $R_S=2M$. Zusätzlich zu diesen Diagrammen werden in dem Jupyter Notebook (Eigenschaften der Schwarzschild-Metrik) die Raumzeit-Diagramme der Schwarzschild-Metrik in Schwarzschild-Koordinaten und Eddington-Finkelstein Koordinaten betrachtet. Die nebenstehende Abbildung zeigt das Raumzeit-Diagramm der Schwarzschild-Metrik ($M=1$) und beschreibt somit das raumzeitliche Verhalten eines kugelsymmetrischen schwarzen Loches aus dem Betrachtungsstandpunkt eines im Unendlichen ruhenden Beobachters (Schwarzschild Koordinaten). Die roten Kurven stellen die in das schwarze Loch einlaufende Lichtstrahlen dar und die blauen Kurven die auslaufende Lichtstrahlen. Für den äußeren Beobachter erscheint es, als ob die Raumzeit in zwei Bereiche geteilt ist (Bereich I: $r > R_S$ und Bereich II: $r < R_S$), die untereinander keinerlei Informationen austauschen können. Nähert man sich vom Bereich I dem Schwarzschildradius an ($r\rightarrow R_s$, $r > R_S$), so verengt sich der Lichtkegel so stark, dass man im Grenzfall unendlich lange Zeit benötigen würde um $R_S$ erreichen zu können. Im Bereich II dagegen hat die Raum- und Zeitkoordinate anscheinend ihren Sinn getauscht – die Zukunftslichtkegel zeigen unweigerlich in Richtung der echten Singularität im Ursprung. Ein Teilchen, das sich an einem Ort im Bereich II befindet, muss sich zwangsläufig in Richtung der echten Singularität bewegen. Einem äußeren Beobachter erscheint die Kugelfläche des Schwarzschildradius demnach als eine Grenze eines Ereignishorizontes. Vom Bereich I kann keine Information in den Bereich II, und von dem Bereich II kann man nicht in den Bereich I vordringen. Die anscheinende Abgeschlossenheit beider Bereiche ist jedoch vom Standpunkt der Betrachtung d.h. von den zugrunde liegenden Koordinaten abhängig und die Koordinatensingularität der Schwarzschild-Metrik kann man mittels spezieller Koordinatentransformationen beseitigen (z.B Eddington-Finkelstein Koordinaten eines einfallenden Photons). Dieses Notebook finden Sie unter dem folgenden Link (Schwarzschild_OGRePy.ipynb).

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Vorlesung 3

In der dritten Vorlesung werden wir die wohl bekannteste analytische Lösung der Einsteingleichung betrachten - die sogenannte Schwarzschild-Lösung. Bereits einige Monate nach der Publikation von Einsteins Artikel zur Allgemeinen Relativitätstheorie im Jahre 1915, erarbeitete Karl Schwarzschild in zwei Arbeiten mögliche analytische Lösungen der neuen Theorie der Raumzeitkrümmung. In der ersten dieser Arbeiten ("Über das Gravitationsfeld eines Massenpunktes nach der Einsteinschen Theorie", siehe Schwarzschild, K., Sitzungsberichte der Königlich-Preussischen Akademie der Wissenschaften. Reimer, Berlin 1916, S. 189-196) betrachtete Herr Schwarzschild die Einstein-Gleichung für den freien, leeren Raum ($T_{\mu\nu}=0 \quad \rightarrow \quad R_{\mu\nu}=0$), wobei er annahm, dass sich die gesamte Materie/Energie in einem singulären Punkt im Ursprung befindet (Massenpunkt der Masse $M$). Die so von ihm gefundene Lösung der resultierenden Feldgleichungen ist heutzutage unter dem Namen Schwarzschild-Metrik bekannt und lautet: \[ g_{\mu\nu}=\left( \begin{array}{ccc} 1-\frac{2\,M}{r} & 0 & 0 & 0\\ 0& -\frac{1}{1-\frac{2\,M}{r}}& 0&0 \\ 0& 0& -r^2& 0\\ 0& 0& 0& -r^2 \hbox{sin}^2(\theta)\\ \end{array} \right) \] , wobei wir ein sphärisch symmetrisches Koordinatensystem benutzt wurde ($x^\mu=\left(t,r,\theta,\phi \right)$). Die skalare Invariante des vollständig kontrahierten Quadrates des Riemannschen Krümmungstensors $K = R_{\mu \nu \rho \sigma} R^{\mu \nu \rho \sigma}$, der sogenannte Kretschmann-Skalar $K$, wird im Ursprung singulär ($K=\frac{48\,M^2}{r^6}$) und die Schwarzschild-Metrik besitzt daher eine echte Singularität bei $r = 0$. Neben dieser echten Singularität besitzt die Schwarzschild-Metrik eine Koordinatensingularität bei dem sogenannten Schwarzschild-Radius $R_S=2M$.

Diese Schwarzschild-Lösung ist von besonderer Bedeutung für astrophysikalische Betrachtungen, denn sie beschreibt einerseits die Metrik eines nicht-rotierenden schwarzen Lochs und andererseits, aufgrund des Birkhoff-Theorem, die Metrik außerhalb eines einzelnen isolierten, nicht-rotierenden Sterns.

Im linken Panel dieser Vorlesung werden die Eigenschaften der Schwarzschild-Metrik in einem Jupyter Notebook berechnet und in Raumzeit-Diagrammen visualisiert.

Vorlesung 4

In dieser Vorlesung werden wir den radialen Fall eines Probekörpers in ein schwarzes Loch in einem Jupyter Notebooks betrachten. Die zugrundeliegende Geodätengleichung ist ein System gekoppelter nichtlinearer Differenzialgleichungen, die wir mittels Python numerisch lösen werden.

Radialer Fall eines Probekörpers in ein schwarzes Loch

In diesem Jupyter Notebook werden wir einen Probekörper radial in ein nicht-rotierendes schwarzes Loch fallen lassen (Masse Probekörper $m << M$ Masse schwarzes Loch). Wir betrachten somit eine spezielle numerische Lösung der Geodätengleichung in vorgegebener Schwarzschild Raumzeit. Die Geodätengleichung beschreibt wie sich ein Körper im Raum bewegt und sagt voraus, dass diese Bewegung sich stets entlang der extremalsten Kurve, in der durch die Metrik beschriebenen gekrümmten Raumzeit, vollzieht. Einem im unendlichen ruhenden Beobachter erscheint es als ob ein in das schwarze Loch fallender Körper, kurz vor Erreichen des Ereignishorizontes, immer langsamer wird und diesen in endlicher Zeit nicht überschreiten wird. Die nebenstehende Abbildung zeigt die Raumzeit-Trajektorien des Probekörpers berechnet in allgemeiner Relativitätstheorie (blaue Kurve) im Vergleich mit der entsprechenden Lösung in Newtonscher Theorie (rote Kurve). Im Gegensatz zum Newtonschen Fall, bleibt der in das schwarze Loch fallende Probekörpers somit, für einen äußeren Beobachter, anscheinend am Ereignishorizont bei $R_S=2M$ stehen – der Körper selbst überschreitet jedoch den Ereignishorizont ohne Hindernisse, was man mittels einer Transformation in ein mitgeführtes Koordinatensystem sieht. Für einen äußeren Beobachter wird seine Bewegung in radialer Richtung, nahe dem Ereignishorizont, immer langsamer und das Bild des Körpers friert am Ereignishorizont ein. Man kann zeigen, dass das wahrgenommene Bild gleichzeitig unendlich rotverschoben wird, sodass es nahe dem Ereignishorizont, langsam den wahrnehmbaren, sichtbaren Bereich verlässt.

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Vorlesung 4

In dieser Vorlesung werden wir der Frage nachgehen, wie sich Körper in einer gekrümmten Raumzeit bewegen? Die allgemeine Relativitätstheorie beantwortet diese Fragen in anschaulicher und eleganter Weise. Falls keine weiteren Kräfte auf den Körper einwirken, folgt er schlicht dem Weg des geringsten Widerstands in der deformierten Raumzeit und wählt die Geodäte (die geradestmögliche Linie) in der gekrümmten Mannigfaltigkeit. Die zugrundeliegende Geodätengleichung lässt sich dabei durch folgendes Variationsprinzip herleiten \[ \begin{equation} \int_{x^\mu(A)}^{x^\mu(B)} ds= \int_{x^\mu(A)}^{x^\mu(B)} \sqrt{g_{\mu\nu} dx^\mu dx^\nu}=\int_A^B \sqrt{g_{\mu\nu} \frac{dx^\mu}{d\lambda} \frac{dx^\nu}{d\lambda}} d\lambda \rightarrow \hbox{Extremal} \end{equation} \] , wobei man, bei festgehaltenen Anfangs- und Endpunkten ($x^\mu(A)$ und $x^\mu(B)$), nach den extremalsten Kurven $x^\mu(\lambda)$ in der Raumzeit sucht. Den Parameter $\lambda$ bezeichnet man als affiner Parameter, welcher z.B. die Eigenzeit $\tau$ des Körpers sein kann. Die Geodätengleichung ergibt sich dann mittels der Euler-Lagrange Gleichungen, wobei man als Lagrangedichte den Ausdruck $L = \sqrt{g_{\mu\nu} \frac{dx^\mu}{d\lambda} \frac{dx^\nu}{d\lambda}}$, bzw. alternativ $L = g_{\mu\nu} \frac{dx^\mu}{d\lambda} \frac{dx^\nu}{d\lambda}$ verwendet. \[ \begin{equation} \frac{d}{d\lambda} \left( \frac{\partial L}{\partial \frac{d x^\alpha}{d \lambda}} \right) - \frac{\partial L}{\partial x^\alpha} = 0 \quad \xrightarrow{\cdot \frac{1}{2}g^{\mu \alpha }} \quad \frac{d^2 x^\mu}{d\lambda^2} + \Gamma^\mu_{\nu \rho} \frac{d x^\nu}{d\lambda} \frac{d x^\rho}{d\lambda} ~=~ 0 \end{equation} \] Die Geodätengleichung stellt ein System gekoppelter nichtlinearer Differenzialgleichungen dar \[ \begin{eqnarray} && \frac{d^2 x^0}{d\lambda^2} = \frac{d^2 t}{d\lambda^2} = - \Gamma^0_{\nu \rho} \frac{d x^\nu}{d\lambda} \frac{d x^\rho}{d\lambda} \\ && \frac{d^2 x^1}{d\lambda^2} = \frac{d^2 r}{d\lambda^2} = - \Gamma^1_{\nu \rho} \frac{d x^\nu}{d\lambda} \frac{d x^\rho}{d\lambda}\\ && \frac{d^2 x^2}{d\lambda^2} = \frac{d^2 \theta}{d\lambda^2} = - \Gamma^2_{\nu \rho} \frac{d x^\nu}{d\lambda} \frac{d x^\rho}{d\lambda}\\ && \frac{d^2 x^3}{d\lambda^2} = \frac{d^2 \phi}{d\lambda^2} = - \Gamma^3_{\nu \rho} \frac{d x^\nu}{d\lambda} \frac{d x^\rho}{d\lambda} \end{eqnarray} \] , wobei wir in dieser vierten Vorlesung die Geodätengleichung in vorgegebener Schwarzschild-Raumzeit und speziell nur den radialen Fall eines Probekörpers näher betrachten werden. Im linken Panel dieser Vorlesung werden wird die numerische Lösung der Geodätengleichung für dieses Beispiel in einem Jupyter Notebook berechnen.

Vorlesung 5

In dieser Vorlesung werden wir die Geodätengleichung und die Klassifikation möglicher Bahnen von Probekörpern in vorgegebener Schwarzschild-Raumzeit mittels eines definierten effektiven Potenzials in einem Jupyter Notebook behandeln. Zusätzlich werden wird eine kurze Einführung in die Programmiersprache C++ und das numerische Lösen von Differenzialgleichungen gegeben.

Bewegung eines Probekörpers um ein nicht-rotierendes schwarzes Loch und die Klassifikation möglicher Bahnen mittels eines definierten effektiven Potenzials

Inhaltlich ist das in diesem Unterpunkt behandelte Thema (die Bewegung eines Probekörpers um ein schwarzes Loch) ein astrophysikalisch sehr relevantes Problem. Schon Jahre bevor die ersten Bilder eines schwarzen Lochs entstanden, galt es schon als so gut wie bestätigt, dass im Zentrum unserer Galaxie ein superschweres schwarzes Loch existiert und Reinhard Genzel (Physik-Nobelpreisträger 2020) verfolgte schon seit Jahrzehnten die Bewegung einzelner, sogenannter S-Sterne um dieses schwarzes Loch. Neben diesen aktuellen Erkenntnissen, gilt die Perihel-Drehung des Merkur als ein, durch die allgemeine Relativitätstheorie verursachter Effekt. Obwohl die Bewegung der Planeten unseres Sonnensystems um unser Zentralgestirn (die Sonne) ja sicherlich keine Bewegung um ein schwarzes Loch darstellt, können die Gleichungen der Planetenbewegungen in guter Approximation als solche beschrieben werden (siehe Birkhoff-Theorem).
Die unterschiedlichen Bahnbewegungen um ein nicht-rotierendes, ungeladenes schwarzes Loch lassen sich mittels eines effektiven Potenzials klassifizieren (siehe rechtes Panel dieser Vorlesung). Die unteren abgebildete Animation zeigt das effektive Potenzial als Funktion des Radius und die Trajektorien der Probekörper für unterschiedliche Anfangswerte in einem eingebetteten Raumzeit-Diagramm der Schwarzschild-Metrik.

Neben den gebundenen kreisförmigen (blau) und elliptischen Bahnen (rot), den parabolischen (grün) und hyperbolischen (grau) Bahnverläufen ist auch eine durch das schwarze Loch eingefangene Bahn (capture orbit, schwarze Kurve) möglich (näheres siehe Jupyter Notebook Klassifizierung unterschiedlicher Bahnbewegungen ('GeodSchwarzschildI_OGRePy.ipynb' , View Notebook, Download Notebook)).

C++: Systeme von gekoppelten Differenzialgleichungen und Differenzialgleichungen zweiter Ordnung

Bisher hatten wir die Geodätengleichung mittels der im Python-Modul 'scipy' definierten Funktionen numerisch gelöst. In diesem neuen Unterpunkt werden wir die Grundlagen der Programmiersprache C++ wiederholen und das numerische Lösen von Differenzialgleichungen kurz erläutern (das Material basiert auf der Vorlesungsreihe Einführung in die Programmierung für Studierende der Physik) und beinhaltet die Themen Differenzialgleichungen: Numerische Lösung von Anfangswertproblemen und das Lösen von Systemen von gekoppelten Differenzialgleichungen und Differenzialgleichungen zweiter Ordnung. In der nächsten Vorlesung werden wir dann die Geodätengleichung mittels eines C++ Programmes lösen.

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Vorlesung 5

In der vorigen Vorlesung hatten wir gesehen, dass die Bewegung von Probekörpern in einer Schwarzschild-Raumzeit über die Geodätengleichungen beschrieben wird. In dieser Vorlesung werden wir mithilfe eines effektiven Potenzials die möglichen, unterschiedlichen Trajektorien anschaulich klassifizieren.
Durch die Symmetrien der Schwarzschild-Metrik (Zeittranslations- und Rotationsinvarianz) lassen sich die erste und vierte Geodätengleichung direkt integrieren. Dies liefert zwei fundamentale Erhaltungsgrößen der Bewegung. Man kann zeigen (siehe z.B. Seite 206 in General relativity : An introduction for physicists by M. P. Hobson, G. P. Efstathiou and A. N. Lasenby), dass sich die erste und vierte Gleichung dieses Systems von Differenzialgleichungen in die folgenden Gleichungen umschreiben lässt: \[ \begin{eqnarray} \hbox{1. Gleichung:}&& \frac{d}{d\lambda} \left[ \left( 1 - \frac{2 M}{r} \right) \frac{dt}{d\lambda} \right] = 0 \\ \rightarrow && \left( 1 - \frac{2 M}{r} \right) \frac{dt}{d\lambda} = e = \hbox{const} \\ \hbox{4. Gleichung:}&& \frac{d}{d\lambda} \left( r^2 \hbox{sin}^2(\theta) \frac{d\phi}{d\lambda} \right) = 0 \\ \rightarrow && r^2 \hbox{sin}^2(\theta) \frac{d\phi}{d\lambda} = l = \hbox{const} \end{eqnarray} \] , wobei die während der Bewegungen erhaltenen Größen e (Teilchenenergie pro Masse) und l (Drehimpuls pro Masse m) sich aus der Definition des Viererimpulses $p_\mu = m u_\mu$ ergeben.
Die Klassifikation möglicher Bahnen von Probekörpern in vorgegebener Schwarzschild-Raumzeit kann mittels eines definierten effektiven Potenzials illustriert werden. Dieses Potenzial ($V(r,M,l)$) hängt von dem, bei der Bewegung erhaltenen Drehimpuls $l$ und der Masse des schwarzen Lochs $M$ ab. Die im Zentralfeld möglichen Bewegungen werden mittels zweier erhaltener Größen (l: Drehimpuls pro Masse m und e: Energie pro Masse) charakterisiert. Die Definition des effektiven Potenzials erfolgt mittels der radialen, 2. Geodätengleichung. In der Fachliteratur existieren zwei gängige Definitionen für das effektive Potenzial $V(r,M,l)$, welche von der Masse $M$ des Schwarzen Lochs und dem Drehimpuls $l$ abhängen. Eine häufig genutzte Formulierung ist \[ \begin{eqnarray} \hbox{2. Gleichung:}&\rightarrow&\frac{1}{2} \left( \frac{dr}{d\tau} \right)^2 + V(r,M,l) = \frac{1}{2} \left( e^2 -1 \right) \\ \hbox{wobei:} && V(r,M,l) = \frac{l^2}{2 r^2} \left( 1 - \frac{2 M}{r} \right) - \frac{M}{r} \quad . \end{eqnarray} \] , wobei der letzte Term $-\frac{Ml^{2}}{r^{3}}$ eine rein allgemein-relativistische Korrektur ist, die im Newtonschen Potenzial fehlt und für den Kollaps nahe dem Ereignishorizont sorgt.
Eine alternative Formulierung in Wurzel-Form lautet: \[ \begin{eqnarray} \hbox{2. Gleichung:}&\rightarrow& \left( \frac{dr}{d\tau} \right)^2 + \left( V(r,M,l) \right)^2 = e^2 \\ \hbox{wobei:} && V(r,M,l) = \sqrt{ \left( 1 - \frac{2 M}{r} \right) \left( 1 + \frac{l^2}{r^2} \right) } \quad . \end{eqnarray} \] Die im linken Panel veranschaulichte Animation zeigt dieses effektive Potenzial als Funktion des Radius ($M=1,l=4.1$) und die möglichen Trajektorien der Probekörper für unterschiedliche Anfangswerte in einem eingebetteten Raumzeit-Diagramm der Schwarzschild-Metrik. Bei der elliptische, roten Bahn erkennt man hierbei gut den allgemein-relativistischen Effekt der Apsidendrehung (Periheldrehung bei der Sonne); d.h. der am nächsten gelegene Punkt (der Perihel) und der am weitesten entfernte Punkt (der Aphel) vom Zentrum des schwarzen Lochs betrachtet, ändert seine Position und rotiert entgegen dem Uhrzeigersinn in $\phi$-Richtung.

Vorlesung 6

In dieser Vorlesung lösen wir die Geodätengleichung mittels eines C++ Programms.

Numerisches Lösen der Geodätengleichung mittels eines C/C++ Programmes

Wir werden nun die Geodätengleichung mittels eines C++ Programmes lösen. Die Geodätengleichung ist ein System von vier gekoppelten Differenzialgleichungen zweiter Ordnung, welches man in ein System von acht gekoppelten Differenzialgleichungen erster Ordnung umschreiben und dann numerisch lösen kann. In diesem Unterpunkt beschränken wir uns auf eine Schwarzschild-Raumzeit (nicht-rotierendes, ungeladenes Schwarzes Loch). Aufgrund der sphärischen Symmetrie der Schwarzschild-Raumzeit kann man sich bei der Beschreibung auf ebene, äquatoriale Bewegungen beschränken ($\theta=\frac{\pi}{2}, \frac{d \theta}{d\tau}=0, \frac{d^2 \theta}{d\tau^2}=0$). Dies hat zur Folge, dass eine der vier Differenzialgleichungen trivial ist und man somit effektiv 'nur' sechs gekoppelte Differenzialgleichungen erster Ordnung zu lösen hat. Beim Klicken auf das nebenstehende linke Bild gelangen Sie zu dem Unterpunkt Numerisches Lösen der Geodätengleichung mittels eines C/C++ Programmes.

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Vorlesung 6

Um das C++ Programm zur Berechnung der Geodätengleichung zu erstellen, leiten wir zunächst das zugrundeliegende Differenzialgleichung-System mittels eines Python Jupyter ab und exportieren es dann in das C++ Programm. Wir benutzen dazu das in der vorigen Vorlesung vorgestellte Jupyter Notebook GeodSchwarzschildII_OGRePy.ipynb und exportieren dann die Gleichungen des gekoppelten Differenzialgleichung-Systems in C-Ausdrücke. In diesem Jupyter Notebook betrachten wir die Geodätengleichung in vorgegebener Schwarzschild-Raumzeit und beschränkten uns dabei auf ebene Bahnbewegungen des Testteilchens, sodass nur drei der vier Geodätengleichungen relevant sind.

Um das System von drei Differenzialgleichungen zweiter Ordnung numerisch lösen zu können, müssen wir es zunächst in ein System von sechs Differenzialgleichungen erster Ordnung umschreiben. Details zum numerischen Lösung von Differenzialgleichungen finden Sie in der Vorlesung Einführung in die Programmierung für Studierende der Physik in den Unterpunkten Differenzialgleichungen: Numerische Lösung von Anfangswertproblemen und Systeme von gekoppelten Differenzialgleichungen und Differenzialgleichungen zweiter Ordnung.
Im Unterpunkt Abgeleitete Klassen, Vererbung von Klassenmerkmalen und Klassenhierarchien der Vorlesung hatten wir mittels der abstrakten Schnittstellen-Basisklasse 'dsolve' ein allgemeines System von Differenzialgleichungen numerisch mittels des Runge-Kutta Ordnung vier Verfahrens gelöst. Diese Basisklasse verwendeten wir dann z.B. zum numerischen Lösen der Planetenbewegungen (siehe Planetenbewegungen und das n-Körper-Problem) und das dort beschriebene C++ Programm verwenden wir nun auch in dieser Vorlesung zum Lösen der Geodätengleichung. Die numerische Lösung erfolgt mittels des C++ Header File GeodesicSchwarzschild.hpp und des Hauptprogramms GeodesicSchwarzschild.cpp (näheres siehe Numerisches Lösen der Geodätengleichung mittels eines C/C++ Programmes).
Am Ende des Hauptprogramms werden die berechneten Lösungswerte der Simulation in die Datei 'geodesic.dat' ausgegeben. Mittels des Python-Skriptes GeodesicSchwarzschild.py kann man dann eine Animation der C++-Simulation erstellen.

Vorlesung 7

Im ersten Abschnitt dieser Vorlesung werden wir ein Jupyter Notebook behandeln, welches die Eigenschaften der innersten stabilen kreisförmigen Bahnbewegung eines massiven Probekörpers (ISCO, siehe rechtes Panel dieser Vorlesung) berechnet und diesen Grenzorbit verdeutlicht. Des Weiteren wird in diesem Notebook auch die Bewegung von masselosen Teilchen (z.B. Photonen) um ein nicht-rotierendes, ungeladenes schwarzes Loch simuliert und die Photonensphäre eines schwarzen Loches berechnet.

Die innerste stabile kreisförmige Bahnbewegung (der ISCO: Innermost Stable Circular Orbit) und die Photonensphäre

Kreisförmige Bewegungen von massiven Probekörpern um ein nicht-rotierendes schwarzes Loch können dem Loch nicht beliebig nahekommen. Die Grenze der Stabilität von kreisförmigen Trajektorien nennt man ISCO (siehe rechtes Panel dieser Vorlesung). Die linke untere Abbildung zeigt die simulierten Bahnen dreier kreisförmige Bewegungen, welche in unterschiedlichen Abstand um das schwarze Loch kreisen, wobei die Masse des schwarzen Loches auf $M=1$ gesetzt wurde. Der grüne Probekörper kreist mit einem Abstand von $r=12$ km, der rote Körper von $r=9.25$ km und der schwarze Körper von $r=6$ km um das schwarze Loch. Zusätzlich sind für diese kreisförmigen Orbits auf der rechten Seite der unteren Abbildung die zugehörigen effektiven Potenziale dargestellt. Da es sich um kreisförmige Bewegungen handelt befinden sich alle drei Probekörper im Minimum des zugehörigen Potenzials bzw. der schwarze Orbit im Sattelpunkt des Potenzials. Stabile kreisförmige Bewegungen um das schwarze Loch sind somit nur bis zu einem Abstand von $r=6 M$ möglich. Das gilt jedoch nicht für masselose Probekörper (z.B. Photonen). Die orange Kurve auf der linken Seite der unteren Abbildung zeigt die Bewegung eines masselosen Testteilchens im Abstand $r=3$ km. Bei diesem Abstand können Lichtteilchen kreisförmig um das schwarze Loch rotieren und man nennt die entsprechende Kugelschale bei $r=3 M$ auch deshalb die Photonensphäre des schwarzen Loches.

Schwarze Löcher und der Deutsche Reichstag

Der Essay Black Holes and the German Reichstag (Schwarze Löcher und der Deutsche Reichstag) erschien 2005 im Magazin Physics World. Es handelt sich um eine humorvolle und zugleich lehrreiche populärwissenschaftliche Analogie, die die Architektur der Berliner Reichstagskuppel mit der Raumzeitkrümmung eines Schwarzen Lochs vergleicht (siehe Black Holes and the German Reichstag).

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Vorlesung 7

In der vorigen Vorlesung hatten wir die Geodätengleichung in vorgegebener Schwarzschild-Raumzeit betrachtet und gezeigt, wie man eine Klassifizierung möglicher Bahnen von Probekörpern mittels eines definierten effektiven Potenzials $V(r,M,l)$ illustrieren kann ($M$ ist die Masse des schwarzen Lochs und $l$ der Bahndrehimpuls pro Masse $m$ des Probekörpers). Eine dieser Bahnen ist von besonderer Bedeutung, die sogenannte innerste stabile kreisförmige Bahnbewegung (der ISCO: Innermost Stable Circular Orbit). Kreisförmige Bahnbewegungen sind dadurch charakterisiert, dass der Wert des Radius sich im Laufe der Zeit nicht verändert und somit sich der radiale Abstand des Probekörpers vom schwarzen Loch gerade im Minimum des effektiven Potenzials befindet. Es muss somit $\frac{dV}{dr}=0$ gelten. Löst man diese Gleichung nach $r$ auf, so erhält man zwei Lösungen, wobei die erste (positives Vorzeichen) dem stabilen Minimum und die zweite (negatives Vorzeichen) dem instabilen Maximum entspricht: $$ \begin{eqnarray} \frac{d V}{dr}=0 \quad \Rightarrow \, r_\pm = \frac{l}{2 M} \left( l \pm \sqrt{l^2 -12 M^2} \right) \end{eqnarray} $$ Der ISCO hat gerade die Sattelpunkt-Eigenschaft, sodass zusätzlich $\frac{d^2V}{dr^2}=0$ gelten muss. Der Drehimpuls $l$ des Probekörpers und sein radialer Abstand vom schwarzen Loch nehmen dort die folgenden Werte an: $$ \begin{eqnarray} \frac{d V}{dr}=0 \,\,,\,\,\, \frac{d^2 V}{dr^2}=0 \quad \underbrace{\Rightarrow}_{\hbox{ISCO}} r=6 M \,\,,\,\,\, l = 2 \sqrt{3} M \end{eqnarray} $$ Kreisförmige Bewegungen um ein nicht-rotierendes schwarzes Loch sind somit nur bis zu einem Abstand von $r_{\tiny ISCO}=6 M$ möglich. Kommt man dem schwarzen Loch näher, endet man zwangsläufig in der echten Singularität. Dies gilt jedoch nur für massive Probekörper und nicht für masselose Teilchen (z.B. Photonen). Photonenbahnen unterscheiden sich im Wert des infinitesimalen Weglängenelementes $ds^2 = g_{\mu\nu} \, dx^\mu dx^\nu$. Mittels der Eigenschaft für Photonen $\left( \frac{ds}{d\tau} \right)^2=0$ vereinfacht sich die radiale Gleichung der Geodätengleichung und man kann ein effektives Potenzial definieren, welches allein von der Masse des schwarzen Lochs abhängt $$ \begin{eqnarray} && \frac{1}{l^2} \left( \frac{dr}{d\lambda} \right)^2 + V_{\tiny Photon}(r) = \frac{1}{b^2}\\ && V_{\tiny Photon}(r) = \frac{1}{r^2} \left( 1 - \frac{2 M}{r} \right) \quad, \end{eqnarray} $$ wobei der Parameter $b$ der Impaktparameter der Photonenbahn ist. Dieses Potenzial besitzt ein Maximum bei $r=3 M$ welches die innerste kreisförmige Photonenbahn darstellt, die sogenannte Photonensphäre eines schwarzen Lochs. Mit $r=3 M$ ist diese nur ein wenig vom Ereignishorizont ($r=2 M$) entfernt. Im linken Panel dieser Vorlesung werden die besprochenen Grenztrajektorien (ISCO und Photonensphäre) in einer Animation illustriert.

Die bisher besprochenen wesentlichen Eigenschaften von Schwarzen Löchern lassen sich, mit ein wenig Fantasie, in Architektur der Berliner Reichstagskuppel wieder finden (siehe Essay Black Holes and the German Reichstag).

Vorlesung 8

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Vorlesung 8